CV. Forschung. Kunst

Vorträge. Symposien. Konzeption. (Auswahl)

2020-22         Mitglied im Board (Leitungsgremium) des Berlin Open Lab: Experimenteller Raum für transdisziplinäre Forschungsprojekte an der Schnittstelle von Technologie, Gesellschaft und Kunst auf dem Campus Charlottenburg in Berlin (UdK und TU Berlin)

2016               Symposium Künste Lehren IV – Gestaltung Lehren, Beitrag zum Thema »Orte und Räume der Lehre«, mit Prof. Christoph Gengnagel, Universität der Künste Berlin

2015               Werkvortrag, Künstlerinnengespräch und Gastkritik: +T. Projekte zu Kunst im ­ öffentlichen Raum, Accademia die Belle Arti, Bologna (IT)

2014-17         Mitarbeit an einer Antragsskizze für die Deutsche Forschungsgesellschaft zum Thema ‚Skizzen und Skizzieren‘, UdK, TU und HTW Berlin, Hybrid Plattform

2014               Partizipation und Kontrolle. Vortrag Offenes Forum III: ­Zuschauen? Mitmachen! Gesellschaftliche Teilhabe durch Kunst. Alanus Hochschule für Kunst, Gesellschaft; Montagstiftung, Bonn

2012               Neue Landschaften – Ein Akademieaustausch. Co-Konzeption, Künstlerhäuser Worpswede e.V., auf Initiative des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

2011               Ohne Titel – Gedanken über die Skizze im künstlerischen Prozess. Vortrag, Hybrid Talks Skizzen und Skizzieren, Hybrid Lab TU Berlin

Forschung. Lehre. (Auswahl)

2022               Retelling the Rural – Workshop-Woche in Caporciano/ Italien

seit 2020        Retelling the Rural: Caporciano. Internationale Kooperation. UdK Berlin/ IAS und Royal Danish Accademy/ CITA und Gemeinde Caporciano, Abruzzen/Italien, Drittmittelprojekt: Forschungsprojekt und Lehrveranstaltungen. 

2022               ‚Hyper Comfort‘, Mitarbeit an der Sommerakademie in der Neuen Nationalgalerie Berlin, Konstruktion einer aufblasbaren Struktur in Zusammenarbeit mit Hans-Walther Müller (‚Gonflables‘)

2021/22         ‚Hyper Comfort‘, experimentelle Lehrveranstaltung, Erprobung von Lehrformaten, mit: Fachgebiet für Baukonstruktion, UdK Berlin Prof. Stephanie Bru. Bildatlas, Kurzfilm und Installation. 

2020-21         Inside Plattenbau – Abgründe und Höhenflüge Forschungsprojekt (Hochschulmittel für Stadterneuerung) sowie Lehrveranstaltung mit Abschlussausstellung und Symposium im Kunstraum Potsdamer Straße, Berlin

Kooperation der Fachgebiete Entwerfen und Stadterneuerung und Plastische und Räumliche Darstellung

2015-17         Paradiesgarten. Kunst im öffentlichen Raum, Lutherstadt Wittenberg, Drittmittelprojekt der UdK-Fachgebiete Konstruktives Entwerfen und Tragwerksplanung und Plastische und Räumliche Darstellung. Ein künstlerischer Entwurf, der im Rahmen seiner Realisierung mithilfe eines Prototypenbaus auf seine technische Machbarkeit überprüft und im Anschluss realisiert wurde. 

2013-14         Terrain. UdK Kooperationsprojekt der Fachgebiete: Digitales und Experimentelles Entwerfen, Kunst- und Kulturgeschichte, Gartenkultur und Freiraumentwicklung und Plastische und Räumliche Darstellung. Der Begriff »Terrain« ist Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit großmaßstäblich durch den Menschen geformte, postindustrielle Landschaften.

Körper. Raum. Zeit

Meine künstlerische Forschung widmet sich der Verschränkung von physischen und virtuellen bzw. digitalen Räumen. Sie basiert auf meiner künstlerischen Praxis. Das Thema des ‚Raumes‘ ist breit aufgestellt und verknüpft das implizite Wissen oder Körperwissen mit den unterschiedlichsten Ausprägungen von Raum. Ein zentraler Aspekt dieses Forschungsfeldes ist die Betrachtung des Raumes als dynamisches, veränderliches, zeitbasiertes Konstrukt oder Wesen, dessen Wahrnehmung ausschließlich von innen heraus, aus der Betrachterperspektive erfolgt, – ganz unabhängig davon, um welche Ausprägung von Raum es sich handelt. In Folge kann es auch nicht um abschließende Definitionen des Raumbegriffes gehen, sondern um die stetige Weiterentwicklung und Schärfung der Raumaneignung im Verlauf des künstlerischen oder gestalterischen Prozesses.

Während mein künstlerisches Interesse sich zunächst auf Schwellen und Grenzen zwischen Räumen konzentriert hat, untersuche ich in den letzten Jahren die historische und gesellschaftliche Dynamik von Landschaftsräumen. Künstlerische Arbeiten mit diesem Schwerpunkt sind zum Beispiel die aktuelle Intervention im Landschaftsraum mit dem Titel ‚Roya‘ oder die Arbeit ‚Waldinneres‘. Kennzeichnend für diese Arbeiten ist auch, dass ein breites Spektrum an Medien, von handwerklichen Techniken bis hin zu künstlicher Intelligenz zum Einsatz kommt. 

Ein wichtiger Aspekt meiner künstlerischen Forschung zum Thema ‚Raum‘ sind lineare und nonlineare Konzepte von Raumerzählung. Zur Arbeit mit Zeitabfolgen und Sprüngen in der Raumwahrnehmung setze ich das lineare Medium des klassischen Films ein, das als zeitbasiertes Medium Raum und Atmosphäre kaleidoskopartig zusammensetzen kann. Non-lineare Konzepte von Narration lassen sich einerseits mit VR und AR -Techniken realisieren, jedoch geleichermaßen mit dezentralen, physischen Interventionen, die Räume verbinden.

imboscarsi

Ausstellung / Symposium in Bologna (IT) 2023/24

Hochschullehre. Vermittlung

Die Vermittlung von mehrdimensionalen Vorgehensweisen, also unterschiedlichen, parallel einsetzbaren Werkzeugen zur Erkenntnis im Kontext von gestalterischen Prozessen ist eine meiner zentralen Forschungsinteressen. Die Ausgangslage hierfür waren zunächst meine eigenen Interessen, die sowohl im naturwissenschaftlichen Bereich als auch auf künstlerischem Gebiet lagen und liegen. Während meines eigenen Studiums der Chemie, und parallel der bildenden Kunst, habe ich mehrere Jahre in einer limnologischen Forschungsgruppe an der TU Berlin mitgearbeitet und war dort vor allem im Bereich der bildgebenden Verfahren tätig. 

Nach dem erfolgreichen Abschluss meines Kunststudiums und einigen Jahren Berufspraxis habe ich mich mit einem Master für ‚Kunst im Kontext‘ wissenschaftlich weiterqualifiziert. Mein persönliches Interesse und mein Schwerpunkt lag bereits zu diesem Zeitpunkt in der Untersuchung des Potentials künstlerischer Strategien als Erkenntniswerkzeuge außerhalb von explizit künstlerischen Kontexten. Mein daraus hervorgegangenes Essay zu Künstler/innen in der Lehre untersucht dieses Feld im Kontext der Lehre an Hochschule und Schule. 

Meinen Forschungsinteresse in diesem gleichzeitig didaktischen und transdisziplinären Bereich habe ich während meiner langjährigen Arbeit an der Universität der Künste im Bereich der Architektur und darüber hinaus ausgebaut und vertieft. Die Architektur als ‚Disziplin der Synthese‘ bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Forschung zu innovativen, transdisziplinären Lehrformaten, die klassische Vorstellungen von Autorenschaft in Frage stellen und sich aktuellen Herausforderungen der Gesellschaft widmen.

Meine Forschung zu neuen Lehrformaten kommt keinesfalls ohne ihre Erprobung aus. Insofern dienen insbesondere Kooperationsprojekte mit Entwurfsfachgebieten oder ingenieurswissenschaftlichen Fachgebieten nicht nur der Vermittlung, sondern sind  gleichzeitig praktische Forschungsfelder. Hervorzuheben sind hier zum Beispiel: ‚Paradiesgarten‘ ein Drittmittelprojekt, das im Rahmen eines Wettbewerbgewinns zu einem technischen Prototypenbau führte und schließlich realisiert wurde;

ein Entwurfsprojekt zum Thema Plattenbau in Kooperation mit dem Fachgebiet von Jean-Philippe Vasall (Lacaton-Vassal);

ein Entwurfsprojekt zum Thema ‚Hyper Comfort‘ mit Stephanie Bru (Bruther) und Hans-Walther Müller, mit anschließender Sommerakademie in Kooperation mit der Neuen Nationalgalerie in Berlin; das aktuell laufende, internationale Kooperationsprojekt von UdK und CITA (Center for Information, Technology and Architecture, Royal Danish Academy) zum Thema rurale Dorf- und Landschaftsstrukturen und deren Potential. Hier betreue und begleite ich zusammen mit Prof. Christoph Gengnagel ein mehrjähriges Pilotprojekt, das sich unter anderem auf der didaktischen Ebene mit dem Wert von hand’s-on und 1:1 Lehrformaten sowie teilweise temporären Interventionen auseinandersetzt und diese erprobt.

Symposien. Konzepte. Forschungsvorhaben

Die Ergebnisse meiner künstlerischen Forschung und meiner Forschung zu Vermittlung und Hochschuldidaktik sowie best practice Beispiele finden sich in mehreren Publikationen wieder, an denen ich als Mitherausgeberin oder Autorin beteiligt bin (siehe ‚Publikationen‘, z.B. UdK Journal Nr.18, ‚Entwurf‘‚Grund|Übung|Haltung‘ oder ‚Horizontale Reaktion‘). Ich beteilige mich als Referentin an Symposien und interdisziplinären Plattformen, wie beispielsweise der Hybridplattform, einer Plattform für Künste, Wissenschaft und Technik der TU und UdK Berlin, dem UdK-Symposium ‚Künste Lehren IV / Gestaltung‘ oder dem Offenen Forum der Montagsstiftung mit einem Beitrag zum Thema Partizipation. 

Außerdem bin ich an der Ausarbeitung von teilweise auch institutionsübergreifenden Förder- und Forschungsanträgen beteiligt, so z.B. an einer Antragsskizze für die DFG zur Einrichtung eines transdisziplinären Graduiertenkollegs TU, UdK, HTW Berlin) zum Thema „Skizzen und Skizzieren“ oder Bewerbungen für Ausschreibungen des New European Bauhauses. 

Aufgrund meines transdisziplinären Schwerpunkts in Forschung und Lehre habe ich in einer vom Land Niedersachsen eingesetzten Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Konzeptes für einen Austausch- und Begegnungsort für Akademien mitgearbeitet (siehe ‚Neue Landschaften‘). Von 2020 bis 2022 war ich Mitglied im Board, also im Leitungsgremium, des Berlin Open Labs (BOL, experimentelles Lab für transdisziplinäre Forschungsprojekte zwischen Technologie, Gesellschaft und Kunst, UdK und TU Berlin) und habe u.a. die dort stattfindenden Projekte mit ausgewählt und evaluiert.

roya

perspectives / prospettive

projet de coopération transfrontalière | parcours artistiques dans la vallée de la roya

Projekt zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit – Kunstwege im Roya-Tal – Eröffnung am 26.05.2023

Die deutsche Künstlerin Dörte Meyer produziert raumbezogene Werke und Multimediaprojekte. Ihre aktuelle Arbeit befasst sich mit digitalen Designwerkzeugen und deren ästhetischen Auswirkungen auf unsere sinnliche Wahrnehmung.

Die Künstlerin graviert an drei bis fünf verschiedenen Stellen entlang des Flusses Roya Piktogramme in Felsen. Die Technik der Gravur ist inspiriert von den historischen Felsgravuren auf dem Mont Bego im Tal der Wunder. 

Sie wählt für ihre Arbeit eine archaische Form der Darstellung, die das Potential hat für sehr lange Zeit zu überdauern. Gleichzeitig ist die Arbeit von Anfang an dem Verfall ausgesetzt und die Zeit wird zeigen, wie lange sie wirklich sichtbar bleibt. Die Künstlerin betrachtet diesen Prozess als Teil des Werks.

Die entlang des Flusses verteilten Piktogramme vermitteln lokale Ereignisse und Geschichten des Tals in essentieller Formsprache. Sie erscheinen nicht an dem Ort, mit dem Ereignis oder Geschichte unmittelbar verknüpft sind, sondern an einem neuen Ort und repräsentieren so das ganze Tal.

Piktogramme, die beispielsweise für Weg-Leitsysteme, Straßen- oder Warnschilder und vieles mehr entwickelt werden, bilden die moderne Form der auf eine Essenz reduzierten visuellen Kommunikation über Bilder. Dörte Meyer greift diese bildhafte Essenz auf und schafft im Dialog mit künstlicher Intelligenz neue und abgewandelte Piktogramme, in denen sich die aktuellen Ereignisse des Tals spiegeln. (Pressetext)

Not Me Not You

Heldinnen und Helden

Helden I, 2020
Plakat 70 x 100 cm

homestories

Waldinneres*

2017

Videostream, aus dem Ahrenshooper Holz, in dem vermutlich der Maler Alfred Partikel (*1888) am 20.Oktober 1945 spurlos verschwand.

Für Alfred Partikel als Landschaftsmaler war die Wahl des Ortes, wo er lebte, von großer Bedeutung. Die Flucht in Landschaften und ihre Details während der Ereignisse seiner Zeit, dem Faschismus und dem zweiten Weltkrieg, war schicksalshaft[1] und ebnete vielleicht sogar den Weg für sein Verschwinden im Wald.

Sehr geehrter Herr Dr. Passarge,

Mein Vater, der am 20.Okt. in den Wald zum Pilzesammeln gegangen ist, ist nicht wiedergekommen… Mutter hat mit Freunden und Leuten aus dem Dorf, den kleinen am Darß gelegenen Wald abgesucht. Eine Durchkämmung des Waldes durch das ganze Dorf wurde von den Russen verboten. – Sie haben nichts gefunden. –  (…) (Barbara Partikel im November 1945)

In Ahrenshoop nach dem Krieg stationierte sowjetische Soldaten hatten Hunger und gingen jagen. Alfred Partikel hatte Appetit auf Pilze. Gemeinsam diente ihnen der Wald als Ressource, alle wollten möglicherweise zur selben Zeit etwas aus ihm herausholen. 

Alfred Partikel hörte in Folge einer Kriegsverletzung schlecht. Das Ahrenshooper Holz ist jedoch voller subtiler Geräusche. Am lautesten sind die eigenen Schritte im raschelnden Buchenlaub. Die Schwerhörigkeit lässt die Wahrnehmung zerfallen. Das, was die Augen sehen, tritt in den Vordergrund; der akustische  Raum verengt sich.

Der Wald ist ein wildes Gebilde, ein Mikrokosmos, in dem Wirklichkeit und Vorstellung sich begegnen. Die Arbeit inszeniert den Wald als Sehnsuchtsort und Idylle, als Drohkulisse, als Versteck, als geheimnisvollen, magischen, mystischen und ambivalenten Ort. Was sich der Kontrolle entzieht, verbirgt sich im Wald.

In einer Großstadt werden die meisten öffentlichen Plätze heute routinemäßig überwacht. Es hängt ab vom Blickfeld, von der Kadrierung, vom Zufall, was vor die Linsen gerät. Die Zeit kann man damit gewissermaßen zurückspulen, Ereignisse und Verbrechen lassen sich rekonstruieren, wenn man den Schlüssel zu ihrer Interpretation besitzt. 

Die Wildnis ist der Gegenentwurf. Wir stoßen vor in das Waldinnere, an einen entrückten Ort. Auch hier gibt es Kameras, in Bereichen, in die der Mensch nicht vordringen kann oder sollte. Die Wildschweine sind unsichtbar unter dem fast zwei Meter hohen Farn, man riecht sie nur. Wildkameras liefern Einblicke in diese verborgenen Orte. Indem sie hierhin eine optische Brücke bilden, erzeugen sie die Anmutung eines unberührten Tatortes.

Der Wald ist undurchdringlich und unüberschaubar, er ist Naturschutzgebiet. Betreten, abseits des einzigen Weges, ist verboten. Seltsame, bereits im Realen surreal anmutende Orte im Wald werden in Szene gesetzt. 

Fiktive Spuren durchwirken den realen Raum und verwischen die Grenzen.

Auf der Tonebene werden diese Aufnahmen mit fiktiven Ereignissen angereichert, die den Ort in seiner Vielschichtigkeit auffächern. Atmosphärische Geräusche aus dem Wald rahmen das Geschehen. Die Töne, die Alfred Partikel schlecht hören konnte, verweben sich zu einem Hintergrund, vor dem alle Ereignisse, reale und fiktive, gleichbedeutend nebeneinander stehen. Durch die Überlagerung von Fiktion und Realität auf der Bild- und Tonebene wird eine orts-und zeitbezogene Narration generiert, die den Ort des Verschwindens von Alfred Partikel in den Fokus rückt und in mehreren Dimensionen wirken lässt. 

[1] Gerckens M.A., Rainer: Alfred Partikel, Leben und Werk, Dissertation, Universität Hamburg 1990, S.75ff (4.3. Fluchtraum Landschaft)

* Titel nach dem Gemälde Waldinneres von Alfred Partikel, um 1936, 160,2×116 cm, Kunstmuseum Ahrenshoop

… coming soon

IMBOSCARSI

Kunstinterventionen in verschiedenen leerstehenden Gebäuden. 2023-24 Bologna